Bild: cw
Grosse Bereitschaft der Rheintaler Bevölkerung: Zahlreiche Geschenke wurden bei Andrea Zäch abgeliefert. Auf dem Bild ein kleiner Ausschnitt davon.
1/2 Bild: cw Grosse Bereitschaft der Rheintaler Bevölkerung: Zahlreiche Geschenke wurden bei Andrea Zäch abgeliefert. Auf dem Bild ein kleiner Ausschnitt davon.
Bild: z.V.g.
Andrea Zäch (l.), plant die Geschenke-Aktion bereits seit einigen Monaten mit Katja Metzler und Natalia Bergmann.
2/2 Bild: z.V.g. Andrea Zäch (l.), plant die Geschenke-Aktion bereits seit einigen Monaten mit Katja Metzler und Natalia Bergmann.
27.11.2019 06:45

Fremden zur Weihnachtszeit eine Freude machen

Der Advent ist eine besinnliche Zeit, doch nicht allen Menschen geht es zu Weihnachten gut. Auch im Rheintal fehlt es vielen am Nötigsten oder sie haben schwere Schicksalsschläge erlitten. Hier knöpft Andrea Zäch aus Au an und will diesen Menschen etwas zurückgeben.

Au Alles begann vor einem Jahr, als die Weihnachtszeit näher rückte. «Ich liebe es, andere zu beschenken», erzählt Andrea Zäch. Da ihre Familie letztes Jahr jedoch beschloss zu Wichteln, konnte sie zwar viel Geld sparen, aber auch nur jemanden beschenken. Aus diesem Grund wollte sie mit dem gesparten Geld anderen Leuten eine Freude machen. Über die Facebook-Gruppe «Die Gemeinschaft-Oberrheintal» lancierte sie einen Adventskalender, bei dem sie jeden Tag etwas an Leute verschenkte, denen es im Leben nicht so gut geht. «Für mich war es auch ein Sozialprojekt, da ich sehr viele berührende Schicksale kennengelernt habe», erzählt Zäch. Die Idee fand bei vielen Leuten grossen Anklang, weshalb sie die Aktion dieses Jahr wiederholt. Dieses Mal jedoch nicht in Form eines Adventskalenders. Mit der Unterstützung von Katja Metzler aus Balgach und Natalia Bergmann aus Widnau, öffnen sie die Aktion für alle, die gerne anderen zur Weihnachtszeit eine Freude bereiten wollen.

Die Grossmütigkeit und Hilfsbereitschaft ist spürbar

«Wenn es anderen gut geht, dann geht es mir auch gut», erzählt Zäch. Sie sei schon immer ein sehr sozialer Mensch gewesen, erzählt die Primarlehrerin. Das rührt wahrscheinlich auch daher, dass ihre Familie in Ecuador aufgewachsen ist und dort in einem Kinderheim tätig war. «Wir haben alles, was man zum Leben braucht. Warum also nicht jenen zu Weihnachten eine Freude machen, denen es nicht so gut geht?», fragt Zäch. Wiederum über Posts auf den sozialen Netzwerken machten Zäch, Metzler und Bergmann darauf aufmerksam, dass sie Geschenke, Gutscheine oder anderes für Menschen sammeln, die am Existenzminimum leben oder die ein hartes Jahr hatten. Die Reaktionen kamen sofort: «Wir haben unzählige und sehr grosszügige Geschenke erhalten. Man spürt die Hilfsbereitschaft und die Grossmütigkeit der Rheintaler», erzählt Zäch. Die zweite Phase des Projekts ist bereits angelaufen. Bis jetzt läuft es jedoch harzig.

Ein Geschenk von Herzen

«Ich habe letztes Jahr gemerkt, dass sich auch einige Leute gemeldet haben, denen es nicht so schlecht zu gehen schien», erzählt Zäch. Dies möchte sie in diesem Jahr vermeiden. Die zweite Phase sieht vor, dass die drei Adressen von Familien, Alleinerziehenden oder Alleinstehenden sammeln, die beschenkt werden sollen. «Ich denke, es ist eine gewisse Hemmschwelle vorhanden, dass sich nicht so viele Leute melden. Es werden aber keine Namen öffentlich gemacht», betont die Primarlehrerin. Im Dezember werden die Geschenke dann den Leuten übergeben. «Das Ziel ist es, die Geschenke persönlich zu überreichen. Falls jemand aber nicht zu Hause ist, oder weiter weg wohnt, legen wir die Geschenke auch in den Briefkasten», sagt Zäch, die schon sehr gespannt auf die Reaktionen ist. Vom letzten Jahr weiss sie, wie dankbar die Leute sind. «Ich habe einer Frau ein Geschenk überreicht. Daraus hat sich ein sehr persönliches und schönes Gespräch ergeben. Zum Schluss überreichte sie mir ein selbstangefertigtes Holzschnittbrett. Das war sehr berührend. Ein Geschenk von Herzen, von jemandem, dem es finanziell nicht gut geht», erzählt Zäch.

Sie kennen jemanden, der es im Leben schwer hat, nicht viel Geld hat oder ein Schicksalsschlag erlitt und es verdient hat, dieses Jahr ein ganz besonderes Geschenk zu erhalten? Dann melden Sie sich bei Andrea Zäch per Mail unter andrea.zaech@bluewin.ch. Dort erhält man auch weitere Infos. 

Cassandra Wüst

Fachbericht zur Armut

Laut dem im Mai veröffentlichten Fach- und Armutsbericht 2018 der Caritas St. Gallen-Appenzell leben schätzungsweise 43 000 Menschen in den drei Kantonen in Armut. Betroffen sind vor allem Working-Poor-Familien, Arbeitslose, Alleinerziehende oder Personen mit Gesundheitsproblemen. Die Zahl der Beratungen bei der Caritas St.Gallen-Appenzell steigt stetig. 2017 waren es rund 444 Beratungsgespräche (Sozial- und Schuldenberatung). 2018 hat die Caritas mit 466 Haushalten Gespräche geführt. Weiter heisst es im Fachbericht, dass die Caritas St. Gallen-Appenzell 230 000 Franken an finanzieller Überbrückungshilfe in St. Gallen sowie beiden Kantonen Appenzell geleistet hat.

Quelle: www.caritas-stgallen.ch