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Julia Emmert (l.) und Linda Hungerbühler im Sandkasten, der laut ihnen durch die geplante 5G-Antenne einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt wird. Auf dem Dach im Hintergrund soll die geplante Mobilfunkanlage entstehen.
1/1 Bild: cw Julia Emmert (l.) und Linda Hungerbühler im Sandkasten, der laut ihnen durch die geplante 5G-Antenne einer hohen Strahlenbelastung ausgesetzt wird. Auf dem Dach im Hintergrund soll die geplante Mobilfunkanlage entstehen.
09.10.2019 06:45

«Unsere Kinder werden im Sandkasten total verstrahlt»

Mitten in einem Quartier in Rebstein, auf dem Hausdach eines Wohnblocks, soll bald eine 5G-Antenne stehen. Die AnwohnerInnen sind empört, denn die Strahlung würde besonders die Kinder im Quartier und in den umliegenden Schulhäusern und Kindergärten betreffen. Nun setzen sie sich zur Wehr.

Rebstein «Bald strahlt nicht mehr ausschliesslich die Sonne im Quartier, wenn wir uns nicht wehren!» Mit dieser Parole machen empörte BewohnerInnen des Ergeten-Quartiers auf die geplante 5G-Antenne an der Stickerstrasse 3 in Rebstein aufmerksam. Per Einschreiben von der Gemeinde wurden die AnwohnerInnen vorletzten Donnerstag informiert, dass auf dem Hausdach des Wohnblocks eine 5G-Antenne gebaut werden soll. Die Einsprachefrist läuft bis zum 10. Oktober. «Wir haben gewusst, dass etwas kommt, da das Visier schon zwei, drei Monate dort oben steht. Als das Schreiben kam, haben sich einige AnwohnerInnen sofort zusammengesetzt, um etwas zu unternehmen», erzählt Julia Emmert, eine der besorgten Mütter. Besonders fragwürdig sei laut Emmert die kurze Einsprachefrist: «14 Tage sind knapp bemessen und zudem liegt die Einsprachefrist genau in den Schulferien, wenn viele Familien in den Ferien sind.»

«5G kann man nicht abstellen»

Das geplante Vorhaben stösst bei den AnwohnerInnen auf grossen Widerstand. «Klar, wir nutzen alle unsere Handys und das Internet. Aber im Gegensatz zu einer 5G-Antenne kann ich das WLAN und das Handy ausschalten», sagt Emmert. Von Tür zu Tür, über eine erstellte Homepage (www.5g-rebstein.ch) und über eine Facebook-Seite, sind die AnwohnerInnen nun am Unterschriften sammeln. Denn im von der Antenne erfassten Radius seien 617.21 Metern rund um die Antenne ist praktisch ganz Rebstein und auch ein Teil von Marbach betroffen – darunter zwei Primarschulhäuser, vier Kindergärten (Schachen Sonne, Mond und Stern und Isenbühl) und ein Oberstufenschulhaus. «Man weiss nicht, welche Auswirkungen 5G-Strahlen auf die Gesundheit haben. Aber wir können doch nicht unsere Kinder unter Dauerbestrahlung setzen. Sie sind unsere nächste Generation und wenn wir schon unsere Kinder krank machen, was passiert in der Zukunft?», sagt Emmert.

5G direkt im Wohnquartier

In Rebstein gibt es laut Emmert bereits drei Antennen (2G, 3G und 4G), welche sich alle im Industriegebiet befinden. «Wieso soll also eine 5G Antenne direkt in einem Wohnquartier gebaut werden? Meiner Meinung nach sollte man diese erst im Industriegebiet testen», entrüstet sich Linda Hungerbühler, ebenfalls eine Anwohnerin. Die geplante Antenne würde mit einer Strahlung von 4,99 Volt pro Meter direkt den Sandkasten auf dem Spielplatz des Quartiers bestrahlen. Emmert ist empört: «Ich setzte doch meine Kinder nicht in den Sandkasten, um sie total zu verstrahlen, schon bevor sie ein Handy haben.»

Jede Unterschrift zählt

Emmert und Hungerbühler ist es besonders wichtig, dass so viele Leute wie möglich von dem geplanten Bauvorhaben erfahren. «Es betrifft uns alle. Wer auch in Rebstein wohnt oder wessen Kinder hier zu Schule gehen, ist herzlich dazu eingeladen eine Unterschrift abzugeben», sagt Emmert. Bis morgen, Donnerstag, läuft die Einsprachefrist. Bis jetzt seien bereits zahlreiche Unterschriften zusammengekommen.

Der Grundstückeigentümer war für eine Stellungsnahme nicht zu erreichen.

Cassandra Wüst

Gemeindepräsident Andreas Eggenberger:

«Wie wir bereits in anderen Gemeinden erfahren haben, löst ein neuer Standort Reaktionen aus und ist sehr heikel. Jeder möchte überall telefonieren und nur wenige sind bereit für neue Antennenstandorte. Die Meinungen über die Auswirkungen beurteilen die Experten unterschiedlich. Meiner Meinung nach, sollten die Anbieter sich einigen, bei den vorhandenen Standorten mehrere Antennen zu montieren! Die Gemeinden haben bei solchen Baugesuchen kaum einen Spielraum, denn in der Verordnung vom Planungs- und Baugesetz sind die Regelungen klar. Voraussetzung ist die Prüfung beim Kanton über die NISV-Vorschriften (Verordnung über den Schutz vor nichtionisierender Strahlung). Aus diesem Grunde habe ich durchaus Verständnis, dass sich die Bürger Sorge machen.»